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IM REICH DER SINNE – IN THE REALM OF THE SENSES
Ein Film von/a movie by Nagisa Ōshima
1976 – Japan, 105 min.
Mit/With Eiko Matsuda, Tatsuya Fuji, Aoi Nakajima, Yasuko Matsui, Meika Seri

DE

EN

Florence Scott-Anderton über den Film IM REICH DER SINNE

WAS IST LIEBE? WANN HÖRT LIEBE AUF, LIEBE ZU SEIN? IST DAS EINE LIEBESGESCHICHTE? DIES IST EIN FILM ÜBER… Einen Gesetzlosen, gefangen im Verlangen, Nymphomanie, erotischen Horrorcore, eine verlorene, libidinöse Erinnerung, Entzug, ein komplexes, klaustrophobisches Drama, ein erstickendes Werk über weibliche Dominanz, atemberaubende Körper und Fleisch, ein Albtraum, die glorreiche menschliche Gestalt, ein Mädchen ist eine Waffe, Macht am Rande des Abgrunds, Dominanz und Unterwerfung, Gesichter erzählen Geschichten, Ausgestoßene auf der Flucht, Konflikt und Krise und Grausamkeit, spähende Geishas bringen Klatsch, Perverse und Perversion, Stillstand der Zeit, eine legendäre Mörderin, Folklore für unsere Zeit, Intensität und Toxizität und Realitätsflucht, die Ambivalenz des Verlangens, nichts Gutes währt ewig, erschöpfende Leidenschaft, wahnhafte Besessenheit, Erniedrigung als Freiheit, lass mich deine Fantasie sein, zwei werden eins, perfekte Vereinigung der Körper, Ausbeutung, Qual und Ekstase, Privatsphäre, Voyeurismus, ein Punkt ohne Wiederkehr, eine Kamikaze-Explosion der Besitzergreifung, Sucht, ein riskantes Mysterium, fleischliche Erkenntnis, Fremdheit, menschenfeindliche Auslöschung, entfremdender Wahnsinn, wunderschöne Technicolor-Pracht, Wild at Heart…

Fleischliche Besessenheit: Im Reich der Sinne kehrt zurück

Es ist beinahe fünfzig Jahre her, seit Nagisa Oshimas Im Reich der Sinne bei seiner Veröffentlichung das Publikum überwältigte und einen einzigartigen Sturm an Einfluss auslöste. Nun kehrt eines der kompromisslosesten Werke der Filmgeschichte zurück auf die Kinoleinwand. Warum so einflussreich, warum so provokant, warum sollte man sich das heute im Kino ansehen? Die Antwort: wegen seines mutigen Beharrens darauf, dass Verlangen selbst ein radikaler Akt ist. Ich würde weniger über seine Provokationen sprechen und mich eher dafür begeistern, die heroische Koproduktion zwischen Frankreich und Japan zu würdigen, die nötig war, um dieses verdammte Ding überhaupt zustande zu bringen. Ich würde die prägenden Figuren Anatole Dauman und Kōji Wakamatsu erwähnen, die diese Initiative anführten. Ich würde betonen, dass es sich um ein seltenes Werk handelt, das bei verschiedenen Zuschauern ganz unterschiedliche Reaktionen hervorruft – je nach ihrem Verständnis (oder Nichtverständnis) von Beziehungen. Aber das ist nur meine Sicht. Der Aufruhr, der dieses Werk umgibt, ist fehlgeleitet; genau deshalb ist es so wichtig, ihn zu sehen – um seine Folklore, seine Politik zu verstehen. Angesiedelt im Japan der 1930er Jahre und inspiriert von einer wahren Begebenheit, die selbst zu einer legendären Geschichte von staatlicher Rebellion und Widerstand wurde, folgt der Film der zunehmend alles verzehrenden Beziehung zwischen Sada Abe (Eiko Matsuda) und Kichizo Ishida (Tatsuya Fuji). Oshima streift Sentimentalität und Konvention ab und konstruiert einen filmischen Raum, in dem Erotik, Intimität, Kontrolle und Auslöschung in einer unruhigen Nähe zueinander existieren. Teils Historienfilm, teils japanischer Fiebertraum, teils psychologisches Porträt, teils politische Provokation – und teils Pornografie. Diese Wiederaufführung lädt das Publikum dazu ein, den Film nicht in seiner Prominenz oder Kontroverse zu begegnen, sondern als Kunst im Dienst der Wahrheit. Eine Darstellung des Staates und der Tiefen, in die der Mensch gehen kann – unmittelbar, verstörend und zutiefst modern.

 

„Er ist mein Meister. Er treibt seine Figuren bis an den Rand des Abgrunds. Es ist in jeder Hinsicht ein Meisterwerk.“ – Catherine Breillat

„Ich wollte immer einen Film machen wie Im Reich der Sinne.“ – Gaspar Noé

„Der Maßstab für sexuelle Macht.“ – Claire Denis

„Das ist ein Film, den jeder sehen sollte. Er ist so fokussiert. Ein brillanter Film, ein großartiger Film.“ — Ari Aster

„Der ehrlichste Film den ich kenne, betörend und entwaffnend.“

„Ein Bekenntnis an das Kino als eine Kraft die dem unaussprechlichen, dem inneren Tier, eine Stimme gibt.“ – Lilith Stangenberg

 

„Ich möchte diesen Film mindestens 3 x sehen, um all seine Wunder in mich aufzunehmen.“ – Jacques Rivette

 

Die Sinne werden mit einer Konzentration beobachtet, die heute kaum noch existiert. In einer Zeit von Intimitätskoordinatoren, emotionalem Bankrott, erzwungenen Agenden und übererklärter Pseudo-Psychologie wirkt das hier erschreckend roh und vollkommen selbstgewiss; Kino als Forum des Expliziten und/oder Erotischen. Im Reich der Sinne ist nicht einfach eine Geschichte eines sehnsüchtigen Paares oder von Verderbtheit oder Perversion; es ist eine historische Legende gegen Klassenhierarchie, in Technicolor imaginiert, außerhalb der gewöhnlichen Zeit schwebend – ein gesteigertes Porträt von Außenseitern, die Sex als Form der Hingabe nutzen. Sie ist wild im Innersten: dominierend, wahnsinnig, eine Gesetzlose, besessen vom Verlangen. Er erlaubt ihre Dominanz: zunächst amüsiert, dann fasziniert, dann unfähig zu entkommen. Die Dynamik verschiebt sich allmählich in einen Fiebertraum, dann in einen Albtraum, dann in ein rituelles Opfer. Menschen, die dies als einfache (oder sexuelle) Liebesgeschichte bezeichnen, sind unehrlich, können das Unbehagen, das es auslöst, nicht vollständig zugeben. Es ist weder so konkret wie eine Liebesgeschichte noch wie ein bloß lustbetontes Erlebnis (wie viele der damaligen Pinku-Eiga-Filme aus Japan); nein, daß hier ist eine weitaus eigentümlichere Erfahrung. Dieser Film verweigert jede Theorie, er ist fleischlich – weshalb viele seiner zeitgenössischen „Nachfahren“ wie Catherine Breillat, Claire Denis und Gaspar Noé so unmittelbar auf ihn reagieren – er ist zugleich trostlos, eine Geschichte von Außenseitern, die sich von den Welten lösen, an die sie gebunden waren, zeitlos schwebend, so wie auch die Schauspieler, die diese Figuren verkörpern, in den Rollen dieses Films aufgehängt sind.

Die Beziehung faltet sich nach innen, bis nichts anderes mehr existiert.

Du wirst in deinem lokalen Kino nichts Zeitgenössisches finden, das sich auch nur annähernd so anfühlt, mit solcher Überzeugung gemacht. Wenn man glaubt, alles sei schon getan, wenn Kino erschöpft wirkt von Wiederholung, dann bleibt hier ein wahrhaft originäres Werk bestehen, roh und verstörend – ein dekadenter Schmetterling. So schwierig wie fesselnd, ist er „hardcore“, aber nicht wegen seiner expliziten Sexualität, die so schnell und heftig einsetzt, dass sie rasch ihren Schockwert verliert; er ist „hardcore“ wegen seiner schonungslosen Darstellung menschlicher Besessenheit und Hingabe, die die Abgründe unseres Geistes und Herzens offenlegt. Weil er niemals von seiner Intensität ablässt, kannst du nicht atmen. Dies ist kein Film über Liebe. Es ist ein Film über den Akt des Sex als Form von Liebe — nicht als Romantik, sondern als Kraft, die Sprache ersetzt, Identität ersetzt, die Außenwelt ersetzt. Die Beziehung faltet sich nach innen, bis nichts anderes mehr existiert. Der Film erstickt dich. Und doch ist er zugleich von außergewöhnlicher Schönheit.

 

Nagisa Oshima nutzt Gesichter, um uns alles zu erzählen.

Eine Augenbewegung. Ein Zucken. Ein Biss. Ein Schrei. Er bringt uns in außergewöhnliche Nähe zu Körpern und Gesten und lässt Psychologie ohne Erklärung entstehen. Wir verstehen, wer was will, wann sich Macht verschiebt, wann Verlangen sich verändert. Der Film offenbart sich durch minimale Veränderungen der Energie, ein Rätsel, dem wir ausgeliefert sind. Wir begreifen die sozialen Strukturen, die Dynamiken außerhalb der Kontrolle des Paares: ein Gasthaus, eine Straße, eine Stadt, ein Land, die Grenzen dessen, was der eine erreichen kann und der andere nicht. Das ist seine Meisterschaft.

Wir wissen fast nichts über diese Menschen außer dem gegenwärtigen Moment – also raten wir. Ihre Vergangenheiten bleiben unzugänglich. Ihr Leben außerhalb des Zimmers ist vage, zurückgehalten, irrelevant. Ohne jede konventionelle Psychologie werden wir stattdessen in ein Delirium eingeschlossen. Wahnsinn sammelt sich an. Intensität steigert sich. Die Beziehung verengt sich, bis selbst das Atmen schwerfällt, gefangen mit ihnen. Diese Nähe ist selten. Kein Realismus im üblichen Sinn, sondern emotionale Bloßlegung – eine direkte Konfrontation mit der unreifen menschlichen Natur. Es gibt hier Verderbtheit, ja, Erniedrigung, ja. Doch der Film existiert über seine Oberfläche hinaus. Er wird zu etwas Größerem als bloße Explizitheit.

 

Ein Angriff auf das Bewusste als erotisches Werk


„Um Verlangen zu befriedigen“, glaubte Nagisa Oshima, „ist es notwendig, das Schamgefühl zu beseitigen.“ Perversion existiert überall, doch hier stehen die Einsätze am höchsten. Was unterdrückt wird, mutiert. Unterdrückung erzeugt Gewalt. Unterdrückung erzeugt Geheimnisse. Unterdrückung erzeugt Verbrechen aus Leidenschaft. Oshima erklärte einmal, er mache „einen pornografischen Film … einen Film über Geschlechtsorgane und Geschlechtsverkehr.“ Was daraus entstand, ist eine seiner reichsten Erkundungen des Bewusstseins — ein Angriff auf das Bewusste als erotisches Werk.

Der Film ist nahezu handlungslos. Seine sexuelle Wiederholung wird zur Metapher, das Liebemachen zur Landschaft. Ihr Fleisch trägt Geschichte. Das Paar steht für etwas Größeres als sich selbst, nicht bloß Individuen, sondern Macht, Verletzung, Unterwerfung, Obsession, gegenseitige Hingabe. Wahrheit existiert innerhalb der Übertreibung. Der Film weigert sich zu erklären, warum sie ist, wie sie ist. Die Kultur verlangt heute oft nach Psychologie, nach Ursachen, nach dem Bedürfnis nach einem Trauma-Bericht. Hier wird uns das verweigert. Wir beobachten eine Frau, die völlig vom Verlangen überwältigt ist, Anstand zerfällt, und einen Mann, der ebenso vom Wunsch nach Flucht verzehrt wird. Sie sind voneinander abhängig, egoistisch gegenüber allem anderen, vernarrt in Beschädigung, eingeschlossen in ein privates Delirium. Viel wurde über das kaiserliche Japan geschrieben, über Etikette, Hierarchie, Unterdrückung, Krieg und Politik jener Zeit. Man theoretisierte Oshima, ohne ihm zuzuhören. Der Film ist fremdartiger als jede Theorie. Er hat die Textur eines Albtraums. Momente im Freien wirken wie kurze Atempausen, bevor es wieder nach innen geht, zurück in die Enge. Jede Rückkehr verstärkt das Gefühl des Erstickens.

 

Und deshalb entfaltet er seine Wirkung im Kino.

Im Reich der Sinne ist sich seiner selbst sicher, kompromisslos, unbesorgt um Erlaubnis, lebendig in seinen eigenen Geheimnissen. Dies heute zu sehen, vor dem Hintergrund des zeitgenössischen Kinos, erzeugt eine seltsame Konfrontation. Man beginnt sich zu fragen, was Filme überhaupt noch dürfen. Vielleicht verändert er dich. Vielleicht verstört er dich. Oshimas Theorie der Obszönität steht im Zentrum des Werks. Wenn etwas offen gezeigt wird, bleibt es dann obszön? Kinder erkennen keine Obszönität. Tabus entstehen später, geformt durch erwachsenes Bewusstsein und Scham. Der Film fragt, was geschieht, wenn Scham sich auflöst.

Dieser Film sagt dir nicht, was du denken sollst. Er fragt, was du fühlst. Du magst ihn lieben. Du magst ihn ablehnen. Aber du kannst ihn nicht passiv ansehen. Du musst denken. Du musst dich fragen. Du musst in seiner Intensität verweilen. Und deshalb bleibt er lebendig.

 

Oshima schrieb:

„Seine Existenz ist pornografisch — unabhängig von seinem Inhalt … Der Begriff der Obszönität wird geprüft, wenn man es wagt, etwas anzusehen, das man unerträglich sehen möchte, sich aber selbst verboten hat anzusehen. Wenn man das Gefühl hat, dass alles, was man sehen wollte, enthüllt wurde, verschwindet die Obszönität, ebenso das Tabu, und es entsteht eine gewisse Befreiung.“

 

Kino als Konfrontation

1976 veröffentlicht, entstand Im Reich der Sinne in einer Phase künstlerischer Umbrüche und politischer Unruhe. Das japanische Kino stand vor dem Zusammenbruch der Studiokonventionen, während Filmemacher gegen überlieferte moralische Rahmenbedingungen und institutionelle Zensur ankämpften. Nagisa Oshima, bereits bekannt als zentrale Figur der japanischen Neuen Welle, verstand Kino als Konfrontation. Oshimas Theorie der Obszönität steht im Zentrum des Werks.

Seine Filme stellten häufig Nationalismus, Autorität, Konformität und gesellschaftliche Unterdrückung infrage. In Im Reich der Sinne verlagerte er diese Themen in den privaten Raum und behandelte Sexualität nicht als Spektakel, sondern als Ort des Widerstands. Der Film wurde inspiriert von der realen Geschichte von Sada Abe, deren Verbrechen aus Leidenschaft im Jahr 1936 — sie erwürgte ihren Liebhaber während eines Liebesakts und schnitt sein Symbol ihrer Liebe ab, das sie in ihrem Kimono mit sich trug, bis sie von der Polizei gefunden wurde — zu einem der sensationellsten Fälle der japanischen Geschichte wurde: eine beschädigte Femme fatale, eine gesellschaftliche Außenseiterin. Anstatt die Geschichte als sensationslüsterne Folklore zu erzählen, verwandelte Oshima sie in eine Untersuchung von Obsession, Besitz und Freiheit. Im Gegensatz zu erotischem Kino, das beruhigen oder reizen soll, destabilisiert Oshimas Werk Gewissheiten. Es fragt, was bleibt, wenn Verlangen total wird — und wenn Intimität außerhalb der gesellschaftlichen Ordnung existiert.

„Er ist wahrhaft subversiv: Er stellt die gegenwärtigen Moralvorstellungen infrage, sowohl politische als auch sexuelle…“ — Donald Richie für die Criterion Collection

„Dieser kompromisslose Film ist nicht im Geringsten gealtert — vielleicht, weil Filme, die wirklich von Sex handeln, noch immer so selten sind, trotz der angeblichen Sexualisierung, die uns überall umgibt. Oshimas Film erweitert und vertieft die sinnliche Sphäre.“ — Peter Bradshaw für The Guardian

„Im Reich der Sinne wirkt bewusst darauf hin, Tabus aufzubrechen, um das Publikum von seinen eigenen Obsessionen zu befreien.“ — Justine Smith für Vague Visages

Florence Scott-Anderton on In the Realm of the Senses

WHAT IS LOVE? WHEN DOES LOVE CEASE TO BECOME LOVE? IS THIS A LOVE STORY? THIS IS A FILM ABOUT…
AN OUTLAW TRAPPED BY DESIRE, NYMPHOMIA, EROTIC HORRORCORE, A LOST LIBIDINOUS MEMORY, WITHDRAWAL, INTRICATE CLAUSTROPHIC DRAMA, A SUFFOCATING WORK ON WOMEN’S DOMINANCE, BREATHTAKING BODIES & FLESH, A NIGHTMARE, GLORIOUS HUMAN FORM, A GIRL IS A GUN, POWER PUSHED TO THE BRINK, DOMINANCE & SUBMISSION, FACES TELL STORIES, OUTCASTS ON THE RUN, CONFLICT & CRISIS & CRUELTY, PEEPING GEISHAS BRING GOSSIP, PERVERTS & PERVERSION, TIME SUSPENSION, A LEGENDARY MUDERERESS, FOLKLORE FOR THE TIMES, INTENSITY & TOXICITY & ESCAPING REALITY, BRUTALITY, THE AMBIGUITY OF DESIRE, NOTHING GOOD CAN LAST FOREVER, ONE FLESH, EXHAUSTIVE PASSION, DEMENTED OBSESSION, ABASEMENT AS FREEDOM, ENTRAPMENT, LET ME BE YOUR FANTASY, 2 BECOME 1, PERFECT UNIFICATION OF BODY, EXPLOITATION, THE AGONY AND THE ECSTASTY, PRIVATE LIFE(S), VOYERISUM, A POINT ON NO RETURN, A KAMAKAZI EXPLOSION OF POSSESSION, ADDICTION, A HIGH STAKES MYSTERY, CARNAL KNOWLEDGE, TUNING OUT, STRANGENESS, MISANTHROPIC ENILATION, ALIENATING INSANITY, BEAUTIFUL TECHNICOLOUR GLORY, WILD AT HEART…


Carnal Obsession: In the Realm of the Senses Returns

It’s been nearly fifty years since Nagisha Oshima’s 1979 In the Realm of the Senses floored audiences upon its release, causing a unique storm of influence. Now, one of the most uncompromising works in the history of cinema returns for a new theatrical run. Why so influential, why so provocative, why should I go and see this in the cinema now? Answer: due to its gallant insistence that desire itself is a radical act. I’d say less about its provocations and be more enthralled to comment on the heroic dual production between France and Japan to even get the god damned thing made. I’d mention luminaries Anatole Dauman and Kōji Wakamatsu leading that charge. I’d mention how it’s a rare work which will inherently make different viewers feel different things based on their understanding (or lack) of relationships. But that’s just me. The furore which surrounds this work is misguided, that is why it is so important to go and see it, to understand its folklore, its politics. Set in 1930s Japan and inspired by a true story which became itself a legendary tale of state rebellion and resistance, the film follows the increasingly consuming relationship between Sada Abe (Eiko Matsuda) and Kichizo Ishida (Tatsuya Fuji). Oshima strips away sentimentality and convention, constructing a cinematic space where eroticism, intimacy, control, and annihilation exist in uneasy proximity. Part historical drama, part Japanese fever dream, part psychological portrait, part political provocation, and part pornography. This reissue invites audiences to encounter the film not in its celebrity or controversy, but as art for the service of truth. A depiction of the state and depths the human can go — immediate, unsettling, and deeply modern.

“He is my master. He pushes his characters to the edge of the abyss. It’s a
masterpiece in every aspect. It’s that level of intensity that I aim to achieve in
my own films.” – Catherine Breillart

“Relentless destruction of the Japanese patriarchate.” – Luca Guadagnino

“I wanted to do a film like In the Realm of the Senses.” – Gaspar Noe

“The benchmark on sexual power” – Claire Denis

“It’s a film everybody should see. It’s so focused. A brilliant film, a great film.” – Ari Aster

“This film is a gut punch.”

The senses are observed with a level of concentration that barely exists anymore. In an age of intimacy coordinators, emotional bankruptcy, forced agendas and over- explained pseudo psychology, this feels startlingly raw and utterly sure of itself; cinema as a forum of the explicit and/or erotic. In the Realm of the Senses is not simply a story of a yearning couple, or of depravity or perversion; its historical legend versus class hierarchy imagined in technicolour, suspended outside ordinary time, it’s a heightened portrait of outcasts using sex as abandon. She is wild at heart: domineering, crazed, an outlaw possessed by desire. He allows her dominance: at first amused, then fascinated, then unable to escape. The dynamic shifts gradually into a fever dream, then nightmare, then ritualistic sacrifice. People who talk about this as a simple (or sexual) love story are dishonest, cannot fully admit the unease it causes. It isn’t as concrete as a love story or a horny experience (the latter like many of the pinku eiga of the time coming out of Japan) no, this is a far more peculiar experience.
This film refuses all theory, it is carnal — and why many of its contemporary disciples such as Catherine Breillart, Claire Denis and Gaspar Noe respond so viscerally to it — it is also desolate, a tale of misfits cutting loose from the worlds they have been bound, suspended in time throughout history just like the actors playing these characters are suspended within the rolls of this film.

The relationship folds inward until nothing else exists.

You will not find anything contemporary in your local cinema that feels remotely like this, made with such conviction. When you think everything has already been done, when cinema feels exhausted by repetition, here remains a true work of originality, raw and unsettling – a decadent butterfly. As difficult as it is riveting, it is hardcore, but not because of its explicit sex which comes on so fast and furious it is quickly stripped of its shock value; it is hardcore because of its graphic human possession and obsession, showcasing the pits of our minds and our hearts. Because it never steps away from intensity, you can’t breathe. This is not a film about love. It is a film about the act of sex as a form of love — not as romance, but a force that replaces language, replaces identity, replaces the outside world. The relationship folds inward until nothing else exists. The film suffocates. Yet it is also extraordinarily beautiful.

Oshima uses faces to tell us everything.

An eye movement. A flinch. A bite. A cry. He gives us extraordinary proximity to bodies and gestures, allowing psychology to emerge without explanation. We understand who wants what, when power shifts, when desire mutates. The film reveals itself through slight changes in energy, a riddle we are beholden to. We understand the social structures, the dynamics beyond our couples control; an inn, a street, a town, a country, the limits to what one can achieve, what another can’t. That is its mastery. We know almost nothing about these people beyond the present moment, so we guess. Their pasts remain inaccessible. Their lives outside the room are vague, withheld, irrelevant. Denied all conventional psychology, instead, we are trapped inside delirium. Madness accumulates. Intensity escalates. The relationship narrows until breathing itself feels difficult, trapped with them. That proximity is rare. Not realism in a conventional sense, but emotional exposure — a direct confrontation with callow human nature. There is depravity here, yes, debasement, yes. The film exists beyond its surface. It becomes something larger than explicitness.

An attack of the conscious as an erotic work.

“To satisfy desire,” Oshima believed, “it is necessary to remove the sense of shame.” Perversity exists everywhere, here the stakes are at their highest. What is repressed mutates. Repression produces violence. Repression produces secrecy. Repression produces crimes of passion. Oshima once stated that he was making “a pornographic film … a film of sexual organs and sexual intercourse.” What emerged is one of his richest explorations of consciousness — an attack of the conscious as an erotic work.
The film is almost plotless. Its sexual repetition becomes a metaphor, the lovemaking a landscape. Their flesh carries history. The couple stand for something larger than themselves, not simply individuals, but power, damage, submission, obsession, mutual abandon. Truth exists inside exaggeration. The film refuses to explain why she is the way she is. Culture now often insists on psychology, on causes, the need for the trauma report. Here, we are denied that. We witness a woman utterly overtaken by desire, decorum eroded, and a man equally consumed by escape. They are addicted to one another, selfish to anything else, besotted by damage, locked into private delirium. Much has been written about imperial Japan, etiquette, hierarchy, repression, war and politics of the time. People theorised Oshima without listening to him. The film is stranger than theory. It has the texture of a nightmare. Moments outdoors feel like brief reprieves before the inhalation indoors, back into enclosure.
Every return intensifies the suffocation.


And this is why it matters theatrically.

In the Realm of the Senses is certain of itself, uncompromising, unconcerned with permission, alive inside its own secrets. Watching this now, against the backdrop of contemporary cinema, creates a strange confrontation. You begin to wonder what films are allowed to do anymore. Maybe it transforms you. Maybe it unsettles you. Oshima’s theory of obscenity sits at the centre of the work. If something is shown openly, does it remain obscene? Children do not recognise obscenity. Taboo arrives later, shaped by adult consciousness and shame. The film asks what happens when
shame dissolves. This film does not tell you what to think. It asks what you feel. You may love it. You may reject it. But you cannot watch passively. You have to think. You have to wonder. You have to sit inside its intensity. And that is why it remains alive.

Oshima wrote:

“Its existence is pornographic — regardless of its content….The concept of obscenity is tested when one dares to look at something that he has an unbearable desire to see, but has forbidden himself to look at. When one feels that everything that one had wanted to see has been revealed, obscenity disappears, the taboo disappears as well, and there is a certain liberation.”


Cinema as a confrontation.

Released in 1976, In the Realm of the Senses emerged from a period of artistic upheaval and political unrest. Japanese cinema was confronting the collapse of studio- era convention while filmmakers pushed against inherited moral frameworks and institutional censorship. Nagisa Oshima, already known as a central figure of the Japanese New Wave, approached cinema as a confrontation. Oshima’s theory of obscenity sits at the centre of the work. If something is shown openly, does it remain obscene? Children do not recognise obscenity, this happens later, with learnt societal consciousness. Taboo arrives later, shaped by that consciousness and shame. His films frequently challenged nationalism, authority, conformity, and social repression. In In the Realm of the Senses, he brought those concerns into the private sphere, treating sexuality not as spectacle but as a site of resistance. The film was inspired by the real-life story of Sada Abe, whose 1936 crime of a passion the night she strangled her lover in an act of lovemaking and cut off his phallic symbol of love to her, to be carried around in her kimono until found by police, became one of the most sensational cases in Japanese history; a damaged femme fatale, a societal misfit. Rather than present the story as sensational folklore, Oshima transformed it into an inquiry into obsession, possession, and freedom. Unlike erotic cinema made to reassure or titillate, Oshima’s work destabilises certainty. It asks what remains when desire becomes total, and when intimacy exists outside social order.

“It is truly subversive: it questions current mores, political as well as sexual, and in so doing, it offers the interested viewer a lesson in the psychological dynamics of film technique.” – Donald Richie for CRITERION COLLECTION

“This uncompromising film has not dated one iota, perhaps because films that are really about sex are still such a rarity, despite the supposed sexiness of everything that surrounds us. Oshima’s film widens and deepens the sensual realm.” – Peter Bradshaw for THE GUARDIAN

“In the Realm of the Senses acts consciously to break down taboos to liberate the audience from their own obsessions.” Justine Smith for VAGUE VISAGES “As the soundtrack moans in sympathy while the deep crimson colours dazzle in delirium, the entire movie comes desperately close to approximating the pell- mell emotional turmoil of sex itself. Not porn, sex.” – Kevin Maher for THE TIMES

ARTWORK

PRESSKIT

IM REICH DER SINNE – IN THE REALM OF THE SENSES
Ein Film von/a movie by Nagisa Ōshima
1976 – Japan, 105 min.
Mit/With Eiko Matsuda, Tatsuya Fuji, Aoi Nakajima, Yasuko Matsui, Meika Seri

DE

EN

Florence Scott-Anderton über den Film IM REICH DER SINNE

WAS IST LIEBE? WANN HÖRT LIEBE AUF, LIEBE ZU SEIN? IST DAS EINE LIEBESGESCHICHTE? DIES IST EIN FILM ÜBER… Einen Gesetzlosen, gefangen im Verlangen, Nymphomanie, erotischen Horrorcore, eine verlorene, libidinöse Erinnerung, Entzug, ein komplexes, klaustrophobisches Drama, ein erstickendes Werk über weibliche Dominanz, atemberaubende Körper und Fleisch, ein Albtraum, die glorreiche menschliche Gestalt, ein Mädchen ist eine Waffe, Macht am Rande des Abgrunds, Dominanz und Unterwerfung, Gesichter erzählen Geschichten, Ausgestoßene auf der Flucht, Konflikt und Krise und Grausamkeit, spähende Geishas bringen Klatsch, Perverse und Perversion, Stillstand der Zeit, eine legendäre Mörderin, Folklore für unsere Zeit, Intensität und Toxizität und Realitätsflucht, die Ambivalenz des Verlangens, nichts Gutes währt ewig, erschöpfende Leidenschaft, wahnhafte Besessenheit, Erniedrigung als Freiheit, lass mich deine Fantasie sein, zwei werden eins, perfekte Vereinigung der Körper, Ausbeutung, Qual und Ekstase, Privatsphäre, Voyeurismus, ein Punkt ohne Wiederkehr, eine Kamikaze-Explosion der Besitzergreifung, Sucht, ein riskantes Mysterium, fleischliche Erkenntnis, Fremdheit, menschenfeindliche Auslöschung, entfremdender Wahnsinn, wunderschöne Technicolor-Pracht, Wild at Heart…

Fleischliche Besessenheit: Im Reich der Sinne kehrt zurück

Es ist beinahe fünfzig Jahre her, seit Nagisa Oshimas Im Reich der Sinne bei seiner Veröffentlichung das Publikum überwältigte und einen einzigartigen Sturm an Einfluss auslöste. Nun kehrt eines der kompromisslosesten Werke der Filmgeschichte zurück auf die Kinoleinwand. Warum so einflussreich, warum so provokant, warum sollte man sich das heute im Kino ansehen? Die Antwort: wegen seines mutigen Beharrens darauf, dass Verlangen selbst ein radikaler Akt ist. Ich würde weniger über seine Provokationen sprechen und mich eher dafür begeistern, die heroische Koproduktion zwischen Frankreich und Japan zu würdigen, die nötig war, um dieses verdammte Ding überhaupt zustande zu bringen. Ich würde die prägenden Figuren Anatole Dauman und Kōji Wakamatsu erwähnen, die diese Initiative anführten. Ich würde betonen, dass es sich um ein seltenes Werk handelt, das bei verschiedenen Zuschauern ganz unterschiedliche Reaktionen hervorruft – je nach ihrem Verständnis (oder Nichtverständnis) von Beziehungen. Aber das ist nur meine Sicht. Der Aufruhr, der dieses Werk umgibt, ist fehlgeleitet; genau deshalb ist es so wichtig, ihn zu sehen – um seine Folklore, seine Politik zu verstehen. Angesiedelt im Japan der 1930er Jahre und inspiriert von einer wahren Begebenheit, die selbst zu einer legendären Geschichte von staatlicher Rebellion und Widerstand wurde, folgt der Film der zunehmend alles verzehrenden Beziehung zwischen Sada Abe (Eiko Matsuda) und Kichizo Ishida (Tatsuya Fuji). Oshima streift Sentimentalität und Konvention ab und konstruiert einen filmischen Raum, in dem Erotik, Intimität, Kontrolle und Auslöschung in einer unruhigen Nähe zueinander existieren. Teils Historienfilm, teils japanischer Fiebertraum, teils psychologisches Porträt, teils politische Provokation – und teils Pornografie. Diese Wiederaufführung lädt das Publikum dazu ein, den Film nicht in seiner Prominenz oder Kontroverse zu begegnen, sondern als Kunst im Dienst der Wahrheit. Eine Darstellung des Staates und der Tiefen, in die der Mensch gehen kann – unmittelbar, verstörend und zutiefst modern.

 

„Er ist mein Meister. Er treibt seine Figuren bis an den Rand des Abgrunds. Es ist in jeder Hinsicht ein Meisterwerk.“ – Catherine Breillat

„Ich wollte immer einen Film machen wie Im Reich der Sinne.“ – Gaspar Noé

„Der Maßstab für sexuelle Macht.“ – Claire Denis

„Das ist ein Film, den jeder sehen sollte. Er ist so fokussiert. Ein brillanter Film, ein großartiger Film.“ — Ari Aster

„Der ehrlichste Film den ich kenne, betörend und entwaffnend.“

„Ein Bekenntnis an das Kino als eine Kraft die dem unaussprechlichen, dem inneren Tier, eine Stimme gibt.“ – Lilith Stangenberg

 

„Ich möchte diesen Film mindestens 3 x sehen, um all seine Wunder in mich aufzunehmen.“ – Jacques Rivette

 

Die Sinne werden mit einer Konzentration beobachtet, die heute kaum noch existiert. In einer Zeit von Intimitätskoordinatoren, emotionalem Bankrott, erzwungenen Agenden und übererklärter Pseudo-Psychologie wirkt das hier erschreckend roh und vollkommen selbstgewiss; Kino als Forum des Expliziten und/oder Erotischen. Im Reich der Sinne ist nicht einfach eine Geschichte eines sehnsüchtigen Paares oder von Verderbtheit oder Perversion; es ist eine historische Legende gegen Klassenhierarchie, in Technicolor imaginiert, außerhalb der gewöhnlichen Zeit schwebend – ein gesteigertes Porträt von Außenseitern, die Sex als Form der Hingabe nutzen. Sie ist wild im Innersten: dominierend, wahnsinnig, eine Gesetzlose, besessen vom Verlangen. Er erlaubt ihre Dominanz: zunächst amüsiert, dann fasziniert, dann unfähig zu entkommen. Die Dynamik verschiebt sich allmählich in einen Fiebertraum, dann in einen Albtraum, dann in ein rituelles Opfer. Menschen, die dies als einfache (oder sexuelle) Liebesgeschichte bezeichnen, sind unehrlich, können das Unbehagen, das es auslöst, nicht vollständig zugeben. Es ist weder so konkret wie eine Liebesgeschichte noch wie ein bloß lustbetontes Erlebnis (wie viele der damaligen Pinku-Eiga-Filme aus Japan); nein, daß hier ist eine weitaus eigentümlichere Erfahrung. Dieser Film verweigert jede Theorie, er ist fleischlich – weshalb viele seiner zeitgenössischen „Nachfahren“ wie Catherine Breillat, Claire Denis und Gaspar Noé so unmittelbar auf ihn reagieren – er ist zugleich trostlos, eine Geschichte von Außenseitern, die sich von den Welten lösen, an die sie gebunden waren, zeitlos schwebend, so wie auch die Schauspieler, die diese Figuren verkörpern, in den Rollen dieses Films aufgehängt sind.

Die Beziehung faltet sich nach innen, bis nichts anderes mehr existiert.

Du wirst in deinem lokalen Kino nichts Zeitgenössisches finden, das sich auch nur annähernd so anfühlt, mit solcher Überzeugung gemacht. Wenn man glaubt, alles sei schon getan, wenn Kino erschöpft wirkt von Wiederholung, dann bleibt hier ein wahrhaft originäres Werk bestehen, roh und verstörend – ein dekadenter Schmetterling. So schwierig wie fesselnd, ist er „hardcore“, aber nicht wegen seiner expliziten Sexualität, die so schnell und heftig einsetzt, dass sie rasch ihren Schockwert verliert; er ist „hardcore“ wegen seiner schonungslosen Darstellung menschlicher Besessenheit und Hingabe, die die Abgründe unseres Geistes und Herzens offenlegt. Weil er niemals von seiner Intensität ablässt, kannst du nicht atmen. Dies ist kein Film über Liebe. Es ist ein Film über den Akt des Sex als Form von Liebe — nicht als Romantik, sondern als Kraft, die Sprache ersetzt, Identität ersetzt, die Außenwelt ersetzt. Die Beziehung faltet sich nach innen, bis nichts anderes mehr existiert. Der Film erstickt dich. Und doch ist er zugleich von außergewöhnlicher Schönheit.

 

Nagisa Oshima nutzt Gesichter, um uns alles zu erzählen.

Eine Augenbewegung. Ein Zucken. Ein Biss. Ein Schrei. Er bringt uns in außergewöhnliche Nähe zu Körpern und Gesten und lässt Psychologie ohne Erklärung entstehen. Wir verstehen, wer was will, wann sich Macht verschiebt, wann Verlangen sich verändert. Der Film offenbart sich durch minimale Veränderungen der Energie, ein Rätsel, dem wir ausgeliefert sind. Wir begreifen die sozialen Strukturen, die Dynamiken außerhalb der Kontrolle des Paares: ein Gasthaus, eine Straße, eine Stadt, ein Land, die Grenzen dessen, was der eine erreichen kann und der andere nicht. Das ist seine Meisterschaft.

Wir wissen fast nichts über diese Menschen außer dem gegenwärtigen Moment – also raten wir. Ihre Vergangenheiten bleiben unzugänglich. Ihr Leben außerhalb des Zimmers ist vage, zurückgehalten, irrelevant. Ohne jede konventionelle Psychologie werden wir stattdessen in ein Delirium eingeschlossen. Wahnsinn sammelt sich an. Intensität steigert sich. Die Beziehung verengt sich, bis selbst das Atmen schwerfällt, gefangen mit ihnen. Diese Nähe ist selten. Kein Realismus im üblichen Sinn, sondern emotionale Bloßlegung – eine direkte Konfrontation mit der unreifen menschlichen Natur. Es gibt hier Verderbtheit, ja, Erniedrigung, ja. Doch der Film existiert über seine Oberfläche hinaus. Er wird zu etwas Größerem als bloße Explizitheit.

 

Ein Angriff auf das Bewusste als erotisches Werk


„Um Verlangen zu befriedigen“, glaubte Nagisa Oshima, „ist es notwendig, das Schamgefühl zu beseitigen.“ Perversion existiert überall, doch hier stehen die Einsätze am höchsten. Was unterdrückt wird, mutiert. Unterdrückung erzeugt Gewalt. Unterdrückung erzeugt Geheimnisse. Unterdrückung erzeugt Verbrechen aus Leidenschaft. Oshima erklärte einmal, er mache „einen pornografischen Film … einen Film über Geschlechtsorgane und Geschlechtsverkehr.“ Was daraus entstand, ist eine seiner reichsten Erkundungen des Bewusstseins — ein Angriff auf das Bewusste als erotisches Werk.

Der Film ist nahezu handlungslos. Seine sexuelle Wiederholung wird zur Metapher, das Liebemachen zur Landschaft. Ihr Fleisch trägt Geschichte. Das Paar steht für etwas Größeres als sich selbst, nicht bloß Individuen, sondern Macht, Verletzung, Unterwerfung, Obsession, gegenseitige Hingabe. Wahrheit existiert innerhalb der Übertreibung. Der Film weigert sich zu erklären, warum sie ist, wie sie ist. Die Kultur verlangt heute oft nach Psychologie, nach Ursachen, nach dem Bedürfnis nach einem Trauma-Bericht. Hier wird uns das verweigert. Wir beobachten eine Frau, die völlig vom Verlangen überwältigt ist, Anstand zerfällt, und einen Mann, der ebenso vom Wunsch nach Flucht verzehrt wird. Sie sind voneinander abhängig, egoistisch gegenüber allem anderen, vernarrt in Beschädigung, eingeschlossen in ein privates Delirium. Viel wurde über das kaiserliche Japan geschrieben, über Etikette, Hierarchie, Unterdrückung, Krieg und Politik jener Zeit. Man theoretisierte Oshima, ohne ihm zuzuhören. Der Film ist fremdartiger als jede Theorie. Er hat die Textur eines Albtraums. Momente im Freien wirken wie kurze Atempausen, bevor es wieder nach innen geht, zurück in die Enge. Jede Rückkehr verstärkt das Gefühl des Erstickens.

 

Und deshalb entfaltet er seine Wirkung im Kino.

Im Reich der Sinne ist sich seiner selbst sicher, kompromisslos, unbesorgt um Erlaubnis, lebendig in seinen eigenen Geheimnissen. Dies heute zu sehen, vor dem Hintergrund des zeitgenössischen Kinos, erzeugt eine seltsame Konfrontation. Man beginnt sich zu fragen, was Filme überhaupt noch dürfen. Vielleicht verändert er dich. Vielleicht verstört er dich. Oshimas Theorie der Obszönität steht im Zentrum des Werks. Wenn etwas offen gezeigt wird, bleibt es dann obszön? Kinder erkennen keine Obszönität. Tabus entstehen später, geformt durch erwachsenes Bewusstsein und Scham. Der Film fragt, was geschieht, wenn Scham sich auflöst.

Dieser Film sagt dir nicht, was du denken sollst. Er fragt, was du fühlst. Du magst ihn lieben. Du magst ihn ablehnen. Aber du kannst ihn nicht passiv ansehen. Du musst denken. Du musst dich fragen. Du musst in seiner Intensität verweilen. Und deshalb bleibt er lebendig.

 

Oshima schrieb:

„Seine Existenz ist pornografisch — unabhängig von seinem Inhalt … Der Begriff der Obszönität wird geprüft, wenn man es wagt, etwas anzusehen, das man unerträglich sehen möchte, sich aber selbst verboten hat anzusehen. Wenn man das Gefühl hat, dass alles, was man sehen wollte, enthüllt wurde, verschwindet die Obszönität, ebenso das Tabu, und es entsteht eine gewisse Befreiung.“

 

Kino als Konfrontation

1976 veröffentlicht, entstand Im Reich der Sinne in einer Phase künstlerischer Umbrüche und politischer Unruhe. Das japanische Kino stand vor dem Zusammenbruch der Studiokonventionen, während Filmemacher gegen überlieferte moralische Rahmenbedingungen und institutionelle Zensur ankämpften. Nagisa Oshima, bereits bekannt als zentrale Figur der japanischen Neuen Welle, verstand Kino als Konfrontation. Oshimas Theorie der Obszönität steht im Zentrum des Werks.

Seine Filme stellten häufig Nationalismus, Autorität, Konformität und gesellschaftliche Unterdrückung infrage. In Im Reich der Sinne verlagerte er diese Themen in den privaten Raum und behandelte Sexualität nicht als Spektakel, sondern als Ort des Widerstands. Der Film wurde inspiriert von der realen Geschichte von Sada Abe, deren Verbrechen aus Leidenschaft im Jahr 1936 — sie erwürgte ihren Liebhaber während eines Liebesakts und schnitt sein Symbol ihrer Liebe ab, das sie in ihrem Kimono mit sich trug, bis sie von der Polizei gefunden wurde — zu einem der sensationellsten Fälle der japanischen Geschichte wurde: eine beschädigte Femme fatale, eine gesellschaftliche Außenseiterin. Anstatt die Geschichte als sensationslüsterne Folklore zu erzählen, verwandelte Oshima sie in eine Untersuchung von Obsession, Besitz und Freiheit. Im Gegensatz zu erotischem Kino, das beruhigen oder reizen soll, destabilisiert Oshimas Werk Gewissheiten. Es fragt, was bleibt, wenn Verlangen total wird — und wenn Intimität außerhalb der gesellschaftlichen Ordnung existiert.

„Er ist wahrhaft subversiv: Er stellt die gegenwärtigen Moralvorstellungen infrage, sowohl politische als auch sexuelle…“ — Donald Richie für die Criterion Collection

„Dieser kompromisslose Film ist nicht im Geringsten gealtert — vielleicht, weil Filme, die wirklich von Sex handeln, noch immer so selten sind, trotz der angeblichen Sexualisierung, die uns überall umgibt. Oshimas Film erweitert und vertieft die sinnliche Sphäre.“ — Peter Bradshaw für The Guardian

„Im Reich der Sinne wirkt bewusst darauf hin, Tabus aufzubrechen, um das Publikum von seinen eigenen Obsessionen zu befreien.“ — Justine Smith für Vague Visages

Florence Scott-Anderton on In the Realm of the Senses

WHAT IS LOVE? WHEN DOES LOVE CEASE TO BECOME LOVE? IS THIS A LOVE STORY? THIS IS A FILM ABOUT…
AN OUTLAW TRAPPED BY DESIRE, NYMPHOMIA, EROTIC HORRORCORE, A LOST LIBIDINOUS MEMORY, WITHDRAWAL, INTRICATE CLAUSTROPHIC DRAMA, A SUFFOCATING WORK ON WOMEN’S DOMINANCE, BREATHTAKING BODIES & FLESH, A NIGHTMARE, GLORIOUS HUMAN FORM, A GIRL IS A GUN, POWER PUSHED TO THE BRINK, DOMINANCE & SUBMISSION, FACES TELL STORIES, OUTCASTS ON THE RUN, CONFLICT & CRISIS & CRUELTY, PEEPING GEISHAS BRING GOSSIP, PERVERTS & PERVERSION, TIME SUSPENSION, A LEGENDARY MUDERERESS, FOLKLORE FOR THE TIMES, INTENSITY & TOXICITY & ESCAPING REALITY, BRUTALITY, THE AMBIGUITY OF DESIRE, NOTHING GOOD CAN LAST FOREVER, ONE FLESH, EXHAUSTIVE PASSION, DEMENTED OBSESSION, ABASEMENT AS FREEDOM, ENTRAPMENT, LET ME BE YOUR FANTASY, 2 BECOME 1, PERFECT UNIFICATION OF BODY, EXPLOITATION, THE AGONY AND THE ECSTASTY, PRIVATE LIFE(S), VOYERISUM, A POINT ON NO RETURN, A KAMAKAZI EXPLOSION OF POSSESSION, ADDICTION, A HIGH STAKES MYSTERY, CARNAL KNOWLEDGE, TUNING OUT, STRANGENESS, MISANTHROPIC ENILATION, ALIENATING INSANITY, BEAUTIFUL TECHNICOLOUR GLORY, WILD AT HEART…


Carnal Obsession: In the Realm of the Senses Returns

It’s been nearly fifty years since Nagisha Oshima’s 1979 In the Realm of the Senses floored audiences upon its release, causing a unique storm of influence. Now, one of the most uncompromising works in the history of cinema returns for a new theatrical run. Why so influential, why so provocative, why should I go and see this in the cinema now? Answer: due to its gallant insistence that desire itself is a radical act. I’d say less about its provocations and be more enthralled to comment on the heroic dual production between France and Japan to even get the god damned thing made. I’d mention luminaries Anatole Dauman and Kōji Wakamatsu leading that charge. I’d mention how it’s a rare work which will inherently make different viewers feel different things based on their understanding (or lack) of relationships. But that’s just me. The furore which surrounds this work is misguided, that is why it is so important to go and see it, to understand its folklore, its politics. Set in 1930s Japan and inspired by a true story which became itself a legendary tale of state rebellion and resistance, the film follows the increasingly consuming relationship between Sada Abe (Eiko Matsuda) and Kichizo Ishida (Tatsuya Fuji). Oshima strips away sentimentality and convention, constructing a cinematic space where eroticism, intimacy, control, and annihilation exist in uneasy proximity. Part historical drama, part Japanese fever dream, part psychological portrait, part political provocation, and part pornography. This reissue invites audiences to encounter the film not in its celebrity or controversy, but as art for the service of truth. A depiction of the state and depths the human can go — immediate, unsettling, and deeply modern.

“He is my master. He pushes his characters to the edge of the abyss. It’s a
masterpiece in every aspect. It’s that level of intensity that I aim to achieve in
my own films.” – Catherine Breillart

“Relentless destruction of the Japanese patriarchate.” – Luca Guadagnino

“I wanted to do a film like In the Realm of the Senses.” – Gaspar Noe

“The benchmark on sexual power” – Claire Denis

“It’s a film everybody should see. It’s so focused. A brilliant film, a great film.” – Ari Aster

“This film is a gut punch.”

The senses are observed with a level of concentration that barely exists anymore. In an age of intimacy coordinators, emotional bankruptcy, forced agendas and over- explained pseudo psychology, this feels startlingly raw and utterly sure of itself; cinema as a forum of the explicit and/or erotic. In the Realm of the Senses is not simply a story of a yearning couple, or of depravity or perversion; its historical legend versus class hierarchy imagined in technicolour, suspended outside ordinary time, it’s a heightened portrait of outcasts using sex as abandon. She is wild at heart: domineering, crazed, an outlaw possessed by desire. He allows her dominance: at first amused, then fascinated, then unable to escape. The dynamic shifts gradually into a fever dream, then nightmare, then ritualistic sacrifice. People who talk about this as a simple (or sexual) love story are dishonest, cannot fully admit the unease it causes. It isn’t as concrete as a love story or a horny experience (the latter like many of the pinku eiga of the time coming out of Japan) no, this is a far more peculiar experience.
This film refuses all theory, it is carnal — and why many of its contemporary disciples such as Catherine Breillart, Claire Denis and Gaspar Noe respond so viscerally to it — it is also desolate, a tale of misfits cutting loose from the worlds they have been bound, suspended in time throughout history just like the actors playing these characters are suspended within the rolls of this film.

The relationship folds inward until nothing else exists.

You will not find anything contemporary in your local cinema that feels remotely like this, made with such conviction. When you think everything has already been done, when cinema feels exhausted by repetition, here remains a true work of originality, raw and unsettling – a decadent butterfly. As difficult as it is riveting, it is hardcore, but not because of its explicit sex which comes on so fast and furious it is quickly stripped of its shock value; it is hardcore because of its graphic human possession and obsession, showcasing the pits of our minds and our hearts. Because it never steps away from intensity, you can’t breathe. This is not a film about love. It is a film about the act of sex as a form of love — not as romance, but a force that replaces language, replaces identity, replaces the outside world. The relationship folds inward until nothing else exists. The film suffocates. Yet it is also extraordinarily beautiful.

Oshima uses faces to tell us everything.

An eye movement. A flinch. A bite. A cry. He gives us extraordinary proximity to bodies and gestures, allowing psychology to emerge without explanation. We understand who wants what, when power shifts, when desire mutates. The film reveals itself through slight changes in energy, a riddle we are beholden to. We understand the social structures, the dynamics beyond our couples control; an inn, a street, a town, a country, the limits to what one can achieve, what another can’t. That is its mastery. We know almost nothing about these people beyond the present moment, so we guess. Their pasts remain inaccessible. Their lives outside the room are vague, withheld, irrelevant. Denied all conventional psychology, instead, we are trapped inside delirium. Madness accumulates. Intensity escalates. The relationship narrows until breathing itself feels difficult, trapped with them. That proximity is rare. Not realism in a conventional sense, but emotional exposure — a direct confrontation with callow human nature. There is depravity here, yes, debasement, yes. The film exists beyond its surface. It becomes something larger than explicitness.

An attack of the conscious as an erotic work.

“To satisfy desire,” Oshima believed, “it is necessary to remove the sense of shame.” Perversity exists everywhere, here the stakes are at their highest. What is repressed mutates. Repression produces violence. Repression produces secrecy. Repression produces crimes of passion. Oshima once stated that he was making “a pornographic film … a film of sexual organs and sexual intercourse.” What emerged is one of his richest explorations of consciousness — an attack of the conscious as an erotic work.
The film is almost plotless. Its sexual repetition becomes a metaphor, the lovemaking a landscape. Their flesh carries history. The couple stand for something larger than themselves, not simply individuals, but power, damage, submission, obsession, mutual abandon. Truth exists inside exaggeration. The film refuses to explain why she is the way she is. Culture now often insists on psychology, on causes, the need for the trauma report. Here, we are denied that. We witness a woman utterly overtaken by desire, decorum eroded, and a man equally consumed by escape. They are addicted to one another, selfish to anything else, besotted by damage, locked into private delirium. Much has been written about imperial Japan, etiquette, hierarchy, repression, war and politics of the time. People theorised Oshima without listening to him. The film is stranger than theory. It has the texture of a nightmare. Moments outdoors feel like brief reprieves before the inhalation indoors, back into enclosure.
Every return intensifies the suffocation.


And this is why it matters theatrically.

In the Realm of the Senses is certain of itself, uncompromising, unconcerned with permission, alive inside its own secrets. Watching this now, against the backdrop of contemporary cinema, creates a strange confrontation. You begin to wonder what films are allowed to do anymore. Maybe it transforms you. Maybe it unsettles you. Oshima’s theory of obscenity sits at the centre of the work. If something is shown openly, does it remain obscene? Children do not recognise obscenity. Taboo arrives later, shaped by adult consciousness and shame. The film asks what happens when
shame dissolves. This film does not tell you what to think. It asks what you feel. You may love it. You may reject it. But you cannot watch passively. You have to think. You have to wonder. You have to sit inside its intensity. And that is why it remains alive.

Oshima wrote:

“Its existence is pornographic — regardless of its content….The concept of obscenity is tested when one dares to look at something that he has an unbearable desire to see, but has forbidden himself to look at. When one feels that everything that one had wanted to see has been revealed, obscenity disappears, the taboo disappears as well, and there is a certain liberation.”


Cinema as a confrontation.

Released in 1976, In the Realm of the Senses emerged from a period of artistic upheaval and political unrest. Japanese cinema was confronting the collapse of studio- era convention while filmmakers pushed against inherited moral frameworks and institutional censorship. Nagisa Oshima, already known as a central figure of the Japanese New Wave, approached cinema as a confrontation. Oshima’s theory of obscenity sits at the centre of the work. If something is shown openly, does it remain obscene? Children do not recognise obscenity, this happens later, with learnt societal consciousness. Taboo arrives later, shaped by that consciousness and shame. His films frequently challenged nationalism, authority, conformity, and social repression. In In the Realm of the Senses, he brought those concerns into the private sphere, treating sexuality not as spectacle but as a site of resistance. The film was inspired by the real-life story of Sada Abe, whose 1936 crime of a passion the night she strangled her lover in an act of lovemaking and cut off his phallic symbol of love to her, to be carried around in her kimono until found by police, became one of the most sensational cases in Japanese history; a damaged femme fatale, a societal misfit. Rather than present the story as sensational folklore, Oshima transformed it into an inquiry into obsession, possession, and freedom. Unlike erotic cinema made to reassure or titillate, Oshima’s work destabilises certainty. It asks what remains when desire becomes total, and when intimacy exists outside social order.

“It is truly subversive: it questions current mores, political as well as sexual, and in so doing, it offers the interested viewer a lesson in the psychological dynamics of film technique.” – Donald Richie for CRITERION COLLECTION

“This uncompromising film has not dated one iota, perhaps because films that are really about sex are still such a rarity, despite the supposed sexiness of everything that surrounds us. Oshima’s film widens and deepens the sensual realm.” – Peter Bradshaw for THE GUARDIAN

“In the Realm of the Senses acts consciously to break down taboos to liberate the audience from their own obsessions.” Justine Smith for VAGUE VISAGES “As the soundtrack moans in sympathy while the deep crimson colours dazzle in delirium, the entire movie comes desperately close to approximating the pell- mell emotional turmoil of sex itself. Not porn, sex.” – Kevin Maher for THE TIMES

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